Glenn Goltz Bonner Theaterpreisträger 2016

Glenn Goltz macht mit faszinierender Genauigkeit immer wieder die Widersprüche seiner Bühnenfiguren transparent. Durch seine Darstellungskunst werden sie  verkörperte Befragungen von Haltungen. Besonders deutlich wurde das in der Spielzeit 2015/16 bei der vieldiskutierten „Nathan“-Inszenierung von Volker Lösch. Glenn Goltz spielte einen fiktiven Lehrer, der die Ideale der europäischen Aufklärung vermitteln möchte und sie gleichzeitig hintergeht. Bei aller intellektuellen Distanz und spielerischen Ironie bleibt die Sinnlichkeit des Theaters sein Anliegen. Er tanzt manchmal mit verzweifelter Komik elegant über Abgründe, bringt alte und neue Texte in Bewegung. Sprachlich pointiert, gedanklich reflektiert.
Seit 2013 gehört der 1971 in Hamburg geborene Schauspieler zum Bonner Ensemble und glänzte hier in zahlreichen Rollen. Zuvor arbeitete er an etlichen deutschen Theatern mit vielen namhaften Regisseuren und entwickelte eine große darstellerische Bandbreite. Er kann erschreckend brillant erscheinen und merkwürdig verunsichert, bissig zynisch und ehrlich bis zur Schmerzgrenze. Jedenfalls macht er es den Zuschauern nie leicht. Genau dafür wurde er 2016 mit dem Bonner „Thespis“ ausgezeichnet.       

Elisabeth Einecke-Klövekorn

Sören Wunderlich Bonner Theaterpreisträger 2015

Überrascht waren die Besucher der Matinee anlässlich der Verleihung des Bonner Theaterpreises „Thespis“ am 21.6. in den Kammerspielen, als sie den Saal betraten: Sie blickten auf das pflanzenreiche, mit Puppen bevölkerte Bühnenbild der Inszenierung von Thomas Vinterbergs „Das Fest“, das vortrefflich die festliche Veranstaltung dekorierte.

 

Zum Auftakt spielte das Jazz-Ensemble der Musikschule, das auch im weiteren Verlauf des Programms die Zuhörer begeisterte. Nach den Eröffnungsworten von Prof. Dr. Kurt P. Tudyka begrüßten Generalintendant Dr. Bernd Helmich, Bürgermeisterin Gabriele Klingmüller, Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke und Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp die zahlreich erschienenen Gäste.

 

Besonders großes Interesse fand der Festvortrag von Dr. Manfred Beilharz „Das Theater - Herz einer Stadt“, der auch mit berührenden Episoden an seine Zeit als Bonner Generalintendant (1991 bis 2002) erinnerte, und die Vorführung des Videofilms von Lars Figge mit einem Rückblick auf die Spielzeit. Sören Wunderlich wurde der Bonner Theaterpreis „Thespis“ 2015 aufgrund der Wahl der Mitglieder verliehen.  

 

Die Produktion „Hiob“ erhielt nach der Publikumswahl den Preis in der Kategorie „Beste Inszenierung“ zuerkannt. Raul Kaiser auf „Hiob“ und  Elisabeth Einecke-Klövekorn auf Sören Wunderlich hielten die Laudatio. Die Matinee klang mit einem Empfang in den Räumen des Foyers aus, der Gelegenheit zu lebhaften Gesprächen zwischen den Mitgliedern der Freunde der Kammerspiele, ihren Gästen und besonders dem Ensemble des Schauspiel Bonn bot.

Wolfgang Rüter Bonner Theaterpreisträger 2014

Seit fast 16 Jahren gehört Wolfgang Rüter zum Ensemble des Bonner Schauspiels. In allen drei Spielstätten des Schauspiels war er in dieser Spielzeit zu sehen: In den Kammerspielen als alter Ekdal in der „Wildente“ und als Autor Hebbel in dessen „Nibelungen“, in der Halle Beuel als „Metropolis“-Herrscher, in der Werkstatt in „Die Opferung von Gorge Mastromas“. Der 1950 in Castrop-Rauxel geborene Schauspieler arbeitete an zahlreichen deutschsprachigen Theatern mit vielen bekannten Regisseuren. Er lässt im Ernsten häufig das Komische durchscheinen und im Komischen immer die Tragik. Er macht das Publikum stets neugierig auf überraschende Facetten der von ihm verkörperten Figuren.E.K. 

Rolf Mautz Bonner Theaterpreisträger 2013

 

 

Rolf Mautz kam 1946 in Bad Godesberg zur Welt. In den Kammerspielen entdeckte er seine Leidenschaft fürs Theater. Nach seiner Schauspiel-Ausbildung führten ihn erste Engagements nach Bochum, Köln und Frankfurt, ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg, an die Berliner Schaubühne, ans Schillertheater und schließlich über Darmstadt nach Oberhausen. Mit dem Generalintendanten Klaus Weise wechselte er 2003 nach Bonn. Zu erleben war er hier u.a. auch als „Herr Mautz“ in dem eigens für ihn verfassten Stück von Sibylle Berg. Er glänzte in zahlreichen Vaterrollen von Molière über O’Neill und Williams bis zu zeitgenössischen Dramen. Unvergesslich bleibt er als alter Martin Heidegger in „Die Banalität der Liebe“.

Mautz kann unverschämt komisch sein und bitter ernst, gefühlsoffen bis zur Ungeschütztheit und gedanklich kompromisslos streng. Seine selbstbewusst bürgerliche literarische und philosophische Bildung scheint immer durch in den Figuren, die er als erfahrener Bühnenkünstler befragt. Er schaut tief in sie hinein und auf eine sehr eigene ‚mautzische‘ Weise aus ihnen heraus, während wir ihm zuschauen. Diese spielerischen Blickwechsel haben das Bonner Publikum zehn Jahre lang fasziniert. Rolf Mautz ist zudem ein perfekter Ensemble-Spieler. Deshalb gilt sein „Thespis“ 2013 auch dem ganzen fabelhaften Schauspiel-Ensemble, das den Freunden der Kammerspiele in der zu Ende gehenden Dekade ans Herz gewachsen ist. ek

Maria Munkert Bonner-Theaterpreisträgerin 2012

Maria Munkert wurde 1981 in Stuttgart geboren und ist seit 2006/07 festes Mitglied des Bonner Schauspiel-Ensembles. Unvergesslich ist ihre Darstellung der jungen Hannah Ahrendt in „Die Banalität der Liebe“, großartig war ihre tapfere Prinzessin Natalie in „Der Prinz von Homburg“. Sie beschäftigt sich gern mit Bühnenfiguren, die etwas schillernd Uneindeutiges haben. Den gängigen Klischees von weiblicher Naivität entspricht sie nie. ek

Bernd Braun Bonner Theaterpreisträger 2011

Der 1954 in Ostberlin geborene Schauspieler ist ein politisch denkender Kopf und ein begnadeter Ironiker, der mit seiner Intelligenz und spielerischen Eleganz jeder Rolle eine außerordentliche Tiefenschärfe verleiht. Seit 2003 arbeitet er in Bonn. Ibsens größenwahnsinniger „Borkman“ sowie Brechts „Puntila“ und „Galilei“ wurden durch ihn Glanzstücke in den Kammerspielen.ek        

Hendrik Richter Bonner Theaterpeisträger 2010

Der 1971 in Wanne-Eickel geborene Schauspieler ist auch ein sängerisches Multitalent. Seit 2003 stellt er das Bonn unter Beweis. Faszinierend verkörperte er die Träumer und Verlierer in den amerikanischen Klassikern von der „Katze auf dem heißen Blechdach“ über den „Handlungsreisenden“ bis zum „Großen Gatsby“. Unübertrefflich war seine sprachliche Virtuosität in Handkes „Kaspar“. ek 

Birte Schrein Bonner Theaterpreisträgerin 2009

Sie kam 1969 in Lübeck zur Welt und gehört seit 1995 zum Bonner Schauspiel-Ensemble. Sie entwickelte sich hier zu einer hervorragenden Charakterdarstellerin und begeisterte nicht nur das Bonner Publikum in unzähligen Rollen, sondern auch den bekannten amerikanischen Dramatiker Neil LaBute, der eigens für sie mehrere Stücke verfasste. ek

Anke Zillich Bonner Theaterpeisträgerin 2008

Die in Essen geborene und in Oberhausen aufgewachsene Schauspielerin kam 2003 ans Theater Bonn und eroberte die Herzen des Publikums im Sturm. Sie spielte mit geradezu beängstigender Intensität die Martha in „Wer hat Angst vor Virginia Wolf…“ und fabelhaft genau die alte Hannah Arendt in „Die Banalität der Liebe“.

Ihre große künstlerische Bandbreite überzeugte in zahlreichen Aufführungen. Inzwischen wechselte sie ans Bochumer Schauspiel. ek