Sören Wunderlich Bonner Theaterpreisträger 2015

Überrascht waren die Besucher der Matinee anlässlich der Verleihung des Bonner Theaterpreises „Thespis“ am 21.6. in den Kammerspielen, als sie den Saal betraten: Sie blickten auf das pflanzenreiche, mit Puppen bevölkerte Bühnenbild der Inszenierung von Thomas Vinterbergs „Das Fest“, das vortrefflich die festliche Veranstaltung dekorierte.

 

Zum Auftakt spielte das Jazz-Ensemble der Musikschule, das auch im weiteren Verlauf des Programms die Zuhörer begeisterte. Nach den Eröffnungsworten von Prof. Dr. Kurt P. Tudyka begrüßten Generalintendant Dr. Bernd Helmich, Bürgermeisterin Gabriele Klingmüller, Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke und Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp die zahlreich erschienenen Gäste.

 

Besonders großes Interesse fand der Festvortrag von Dr. Manfred Beilharz „Das Theater - Herz einer Stadt“, der auch mit berührenden Episoden an seine Zeit als Bonner Generalintendant (1991 bis 2002) erinnerte, und die Vorführung des Videofilms von Lars Figge mit einem Rückblick auf die Spielzeit. Sören Wunderlich wurde der Bonner Theaterpreis „Thespis“ 2015 aufgrund der Wahl der Mitglieder verliehen.  

 

Die Produktion „Hiob“ erhielt nach der Publikumswahl den Preis in der Kategorie „Beste Inszenierung“ zuerkannt. Raul Kaiser auf „Hiob“ und  Elisabeth Einecke-Klövekorn auf Sören Wunderlich hielten die Laudatio. Die Matinee klang mit einem Empfang in den Räumen des Foyers aus, der Gelegenheit zu lebhaften Gesprächen zwischen den Mitgliedern der Freunde der Kammerspiele, ihren Gästen und besonders dem Ensemble des Schauspiel Bonn bot.

 

Hiob

 

Es war kein Wunder, dass der Bonner "Hiob” und die andere Qualitäts-lnszenierung dieser Spielzeit, "Herz der Finsternis”, den Wettbewerb um den Publikumspreis unter sich ausmachen würden. Der bewährt souveräne und charakteristische Thespis-Preisträger Wolfgang Rüter in der Titelrolle und die meist ausverkauften Aufführungen hier in den Kammerspielen waren dafür nur die erste Grundlage. Dabei ist der oft engstirnige und vor allem gegenüber seiner Frau zuweilen grobschlächtige Mendel Singer keine Sympathiefigur. Was macht neben dem Schauspielerischen und der mehr als nur begleitenden Live-Musik der Gebrüder Süßmilch die Qualität des Bonner ,,Hiob“ aus? Zum einen nimmt das Bonner Bühnenbild von Sabine Kohlstedt das Bild vom Licht durchflutenden Lebens-Karussell aus der bahnbrechenden Münchener Hiob Inszenierung von Johan Simons auf. Nur ist davon - wie verunglückt - nur ein Rest an Glücks- Lämpchen inmitten eines feststehenden riesigen Welt/ Fortuna/Schicksals-Rades übrig geblieben. Max Webers Metapher von der Moderne als stählernes Gehäuse der Hörigkeit wird von der Regisseurin Sandra Strunz ernst genommen. Mit der Migration von Russland nach Amerika wechselt das Kolorit, - das Gehäuse und die zum Teil tödlichen Verstrickungen darin -, bleiben. Es ist weniger der abwesende Gott als die anwesende Struktur des Politischen, Ökonomischen und Familiären, dass hier das Schicksal ausmacht. Die stille Kraft des Wunderbaren kann das Gehäuse nicht brechen aber unterlaufen mit der Geschichte des Sohns Menuchim. Jenseits theoretischer Fragen unterläuft der Schauspieler Samuel Koch, indem er den Menuchim spielt, teilweise die Grenze zwischen dem Schicksal im Leben und der Freiheit der Kunst. Seinen Traum, als Schauspieler dem Wunderbaren eine Stimme zu geben, hat er sich von seiner Behinderung nicht zerstören lassen. Beharrliche Arbeit an diesem Traum und die dauernde Kraft der Kunst haben nicht nur der Figur, sondern dem konkreten Menschen auf der Bühne ein Stück Leben zurückgegeben. rk
-------------------------------------------------------------------------------------